12. Oktober 2000, kurz vor 19.00 Uhr. Hell erleuchtete Fenster, eine bereits gut besetzte Aula und noch einen Parkplatz suchende Autos, dazu sehr geschäftige, so ihre Aufregung verbergende Solisten sowie sich sich gegenseitig behindernde letzte organisatorische Arbeiten - die 18. Probierstube wirft ihre Schatten voraus. Was vor etlichen Jahren im schlauchähnlichen Speiseraum begann, hat sich nicht nur äußerlich gemausert. Hatten damals bestenfalls die Zuschauer der ersten drei Reihen eine reale Chance, nicht nur zu hören, sondern auch etwas sehen zu können, erlebten am letzten Donnerstag über ... Mitschüler, Lehrer, Eltern und Gäste einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend. Und so wie sich mit den Jahren das Publikum verändert hat, taten es auch die Mitwirkenden. Deshalb war es sicher kein Zufall, dass die Band der "Lenné - Gesamt- (Partner-) schule" den phongewaltigen Auftakt gab. Sofort sprang mit "Bitch", "Rain", "Zomba" u. a. der Funke über und ließ so manche Fußspitze je nach Temperament mitwippen oder -stampfen. Mühelos schafften es David, Benjamin, 2x Sebastian, Sissi, Babett und Sophie, teilweise beatmäßig unterstützt durch ihre Musiklehrerin Frau Becker, die gesamte Aula in Schwingung zu versetzen. Was tut es da schon, wenn mitunter Stimmumfang oder -volumen noch nicht so ganz mit der sichtbaren Freude am Rhythmus mithalten konnten. Sicher und souverän - wie in jedem Jahr- Marike und Ariane Peters (Kl. 9A/13). Ihr "Concerto IV für Orgel" (BWV 595), jedoch nicht auf dieser, sondern auf zwei Akkordions gespielt, zeigte, dass Bach' sche Klangvielfalt auch mit wenigen Registern zu vermitteln ist. Ebenfalls schon "probierstubenerfahren" sind Swenja (12. Kl.) und Tanja (Kl. 11/1). Die beiden von ihnen vierhändig -dabei mit deutlichem Rollentausch- am Klavier inszenierten Brahms' schen "Liebesliederwalzer" gereichten dem Komponisten zur Ehre und dem Publikum zum Genuss. Gern hätte man den beiden noch länger zugehört... Dass in der "Probierstube" nicht nur musikalisch "probiert" wird, bewies der Kurs "Darstellendes Spiel" (Kl. 12). Zunächst ohne Worte, dafür mit Ausstrahlung, Gestik und Mimik arbeiteten die "Indianer" Ellen, Katharina, Johannes und Holger fieberhaft daran, aus Feindschaft Freundschaft werden zu lassen. Und weil das Rauchen der "Friedenspfeife" noch nicht alle Zweifel beseitigte, musste zum Schluss doch die Musik herhalten... Ganz ohne sie kamen dagegen Anne und Kay (12.Kl.) aus. Nicht zu glauben, wie schwer es heutzutage ein "Klassisches Gedicht" hat, wenn sein Inhalt allzu wörtlich "zensiert" wird. Die "übervorsichtige" und "sich in alle Richtungen absichernde" Anne machte es dem "engagierten, der Klassik verbundenen" Kay wahrlich nicht leicht, seine Aufregung im Griff und seinen Text im Kopf zu behalten. Das Publikum hatte dagegen sichtbare Freude an den "Missverständnissen" der beiden. Nach der Pause wird es noch schwerer, Glanzpunkte auszuwählen - scheint doch jede Darbietung die vorhergehende zu toppen. In Erinnerung geblieben sind Christopher Nortons "Fly Away" und "Swan Song", gespielt von Anne (10/1) (Violine) und Tanja (11/1) (Klavier). Wer hier schon ins Träumen geriet, musste nicht erst "aufwachen", sondern konnte mit der wenn auch "geschwächten" "Irisch Folk - Gruppe" bei "The Kerry Dance" gleich weiter schwärmen. Großer Beifall ereilte den künstlerischen Leiter Herrn Cammradt, als er statt seiner erkrankten Solistinnen selbst zur Sopran -Blockflöte griff. Ganz "lebensnah" wird es im Saal, als Tucholskys "Lottchen" erscheint und "1 Geliebten beichtet". Tanja Otolskis (13.KL.) schauspielerisches Talent ist durchaus schulbekannt; wie sie jedoch an diesem Abend brillierte, mit welcher Spielfreude sie die Zuschauer mit "Lottchens" "Kaum hat man mal, dann ist man gleich" mitfühlen ließ, war eine Leistung, die Achtung abverlangte. Dass Gäste auch als Mitwirkende durchaus erwünscht sind, zeigten besonders die tänzerischen Darbietungen. Maria (9/1) und Alida (10/2) wirbelten mit ihren Mitstreiterinnen zu den Klängen von "Lollipop" "rhythmisch- sportgymnastisch" derart turbulent durch den Saal, dass besonders die ersten Reihen "einbezogen" wurden. Viel zu schnell ging dieser Cocktail" aus Musik und Bewegung zur Neige. Aber noch ist der Abend nicht zu Ende,denn Matthias (10/A) und Stefan (10/2) kommen mit ihren Partnerinnen "lateinamerikanisch" daher. Da geht die Post ab - und so mancher Schweißtropfen zu Boden. Besonders schön, dass sich beide Zehntklässler gemeinsam auf's Parkett begaben, wo sie doch sonst im TSZ Potsdam eher in unterschiedlichen Klassen tanzen. Dem Publikum hat's gefallen; es konnte gar nicht genug bekommen von der Harmonie der Bewegungen, den in's Blut gehenden Rhythmen, dem Farbenspiel der Kostüme - hier hat alles gestimmt! Sollte bis hierher der Eindruck entstanden sein, dass die "Probierstube" keine war, weil nicht "probiert" , sondern "gekonnt" wurde, so sei an dieser Stelle ausdrücklich denen gedankt, die sich zum ersten Mal überwanden, sich auf diese "Bühne" stellten und bei denen diesmal noch das Lampenfieber siegte. Aber was machte es schon, wenn das eine oder andere Zusammenspiel zwischenzeitlich zur Solodarbietung geriet oder Versprecher und Textlücken ihre Rezitatoren peinigten - "Probieren geht (immer noch) über Studieren"... Deshalb ein ganz besonderes Dankeschön an die "Mutter der Probierstube", Frau Kistner, sowie ihre "Geschwister" Frau Schaffernicht, Frau Wilsky und Herrn Cammradt, die dafür sorgten, dass es dem Publikum rundum gefiel - wenn da nicht hin und wieder die Frage auftauchte: "Wann kommt denn der Gospelchor?" Schade, diesmal war er nicht dabei - aber es gibt ja mit Sicherheit eine "19. Probierstube" - denn "Viva la Musica", vom Publikum dreistimmig dargeboten, gilt auch noch im nächsten Jahr.
Hannelore Flämig