Am 14.05.2001 hielt der inzwischen 84-jährige Kommunist und Jude Adolf Burger aus der Slowakei einen Vortrag über seine Erlebnisse als Gefangener in den KZ Auschwitz und Sachsenhausen und seinem heutigen Leben in Prag. Er berichtete davon, wie seine Kameraden und er tagelang hungerten, geschlagen wurden, in verdreckten Pferdeställen lebten und für die Nazis Geld fälschen mussten. Er musste mit ansehen, wie unzählige Leute vom Elektrozaun gegrillt, erschossen oder selbst Kinder und Säuglinge zum "duschen" geschickt wurden, aber trotz allem verlor er nie seinen Lebenswillen und kam letztendlich durch einen glücklichen Zufall frei. Die Art und Weise, wie Herr Burger sprach, war unglaublich fesselnd, man hatte das Gefühl dabeizusein, obwohl außer ihm wahrscheinlich niemand der Anwesenden auch nur die geringste Ahnung davon hatte, was damals wirklich geschah und wie sich die Betroffenen fühlten. Es war unbeschreiblich, wie Herr Burger von all den schrecklichen Momenten seiner Vergangenheit redete. Während der gesamten Zeit, die er davon berichtete, wagte man kaum zu sprechen. Das einzige, was zu hören war, war die von den Wänden der Aula wiederkehrende Stimme Adolf Burgers, doch trotz dieser Stille war die Atmosphäre nicht so angespannt und verkrampft, wie bei anderen Vorträgen. Man fühlte sich regelrecht geborgen und verfolgte, fasziniert von der Willenskraft dieses Mannes, doch gleichzeitig auch schockiert und ergriffen von seinen schrecklichen Erfahrungen, den Vortrag. Am Ende seines Berichtes stellte sich Adolf Burger den Fragen des Publikums. Adolf Burgers Tage im KZ sind vorbei, doch seine Botschaft lebt in ihm weiter: Wir dürfen keine Neonazis in unserer Gesellschaft dulden, denn wir sind die Zukunft, und es darf nicht noch einmal zu einer solch schrecklichen Situation wie damals kommen.
Carolin Vogler