Schüler und Lehrer organisieren 18. Humboldtlauf - den Anfahrtsweg von der Autobahn zum Humboldt Gymnasium kann Angelika Kiklas inzwischen im Schlaf herunterbeten. Seit Wochen klingelt bei der Sekretärin der Schule an der Heinrich-Mann-Allee des Telefon: Anfragen aus ganz Deutschland zum diesjährigen Humboldt-Lauf. Seitdem Brandenburgs heutiger Sportminister Steffen Reiche ihn Ende der 70- er Jahre zum ersten Mal als Abiturient gewann, erlebt der Lauf am Sonnabend mittlerweile seine 18. Auflage. Mehr als 100 Teilnehmer haben sich inzwischen schon schriftlich oder telefonisch angemeldet, aber: "Erfahrungsgemäß kommen noch einmal doppelt soviel hinzu", weiß Schulleiter Holger Rupprecht. An ihm ging der Vorbereitungsstress in den vergangenen Wochen und Monaten ebenso wenig vorbei wie an Jürgen Johann, dem "Vater des Humboldt-Laufes". Der Deutsch- und Geschichtslehrer rief den Lauf einst ins Leben und sorgte nach einigen Jahren Pause dafür, dass er nach der Wende wieder in den Sportkalender der Stadt aufgenommen wird. Von rein sportlichem Interesse für Lauf- Profis ist der Humboldt-Lauf über fünf Kilometer und die Halbmarathon- und Marathondistanzen seitdem nur insofern interessant, als dass er den meisten Sportlern vor allem als optimale Vorbereitung auf die anstehenden nationalen und internationalen Marathonläufe dient. Auch die Triathleten vom Potsdamer Zeppelin-Team haben das indes für sich erkannt und werden wohl auch diesmal wieder vorn mitmischen. Kein Lauf also, der mit den wahrlich großen Veranstaltungen in Berlin oder Frankfurt/Main mithalten soll, aber das ist auch beabsichtigt. "Wir bieten in den Ravensbergen den einzigen Naturmarathon Deutschlands an", sagt Cheforganisator Jürgen Johann. "Siegprämien gibt es bei uns nicht; der Kommerz bleibt außen vor." Dafür lebt die Sache jedoch umso mehr von der freiwilligen Arbeit , die hinter dem Ganzen steht. Die achten Klassen hatten im Kunst-Unterricht 90 Medaillen modelliert: Jedes Stück ein in Ton gebranntes Unikat; das mal einen Läufer, mal einen springenden Hasen zeigt. Neben den kreativen Künstlern der Schule waren allerdings auch die Computerfreaks arg eingebunden: Zwei extra für den Lauf erstellte Software-Programme sollen den Ablauf diesmal noch reibungsloser gestalten. Informatik-Lehrer Marco Zanin wird mit seinen Schülern an sechs PC’s arbeiten, die Zeiten eingeben und schließlich die Urkunden ausdrucken. Und überhaupt soll in diesem Jahr vieles noch professioneller werden. "Nach jedem Lauf setzen wir uns zusammen, tauschen uns aus und schreiben unsere Kritiken auf einen Meckerzettel"; sagt Holger Rupprecht. So auch in diesem Jahr, und deshalb wird es diesmal neben einem Sicherheitsbereich für Wertsachen und noch mehr Streckenposten auch Schüler geben, die den Teilnehmern schon an der Straße den Weg weisen. An der Strecke ist bis Sonnabend noch einiges zu tun: Forstfahrzeuge hatten sich im Matsch festgefahren und den Weg stark aufgewühlt. Aber auch dafür haben sich Schüler gefunden, die das bis zum Wochenende begradigen. Und das ist es wohl, was den Humboldt-Lauf seit Jahren ausmacht: Lehrer und Schüler ziehen an jenem Strang, wollen den Läufern ein unvergessliches Event bescheren und damit auch ihrer Schule den wohl besten Dienst erweisen. Da werden Äpfel, Bananen und Müsli eingekauft. Tee gekocht und in aller Frühe die Zelte aufgebaut- nach Geld fragt niemand. Ein Reiz, dem sich auch viele ehemalige Schüler nicht entziehen können." Und so war es denn auch, am 9.3.2002 um 10.05Uhr fiel der erste Startschuss und alle Mühen der letzten Wochen waren vergessen. Es wurde ein neuer Teilnahmerekord, die Läufer fühlten gut versorgt und viele von ihnen haben sich persönlich für die familiäre Betreuung bedankt und betont, dass sie auch im nächsten Jahr wieder nach Potsdam, zu den Humboldtianern kommen werden. An dieser Stelle sei allen Helfern nochmals ein besonderen Dank gesagt.
Jürgen Johann