Silbern scheint der Vollmond auf das dunkle Moor Transsylvaniens. Der Wind saust durch die Gräser, in der Ferne ertönen die Rufe eines Uhus. Eine Pferdekutsche rast über holprige Waldwege, angetrieben von einem leichenblassen Kutscher. Blitze erhellen den Himmel und laut kracht der Donner über das Land. Nebelschwaden steigen auf, Spinnweben glänzen im Mondenschein. Mit lautem Flattern fliegt ein Schwarm von Fledermäusen über das alte Schloss, welches einsam und verlassen auf einem Hügel liegt. Plötzlich erschallt ein lautes, furchteinflößendes Lachen, kurz darauf die markerschütternden schrillen Schreie eines blutjungen Mädchens. . . Wesentlich harmloser verlief die Blutspende am 5. Oktober 2001 in unserer Schule. Für uns als Erstspender stand fest: Irgendwann zwischen 9.30 und 12.30 Uhr würde ES passieren. Oje, wann hatte ich das letzte Mal so einen Adrenalinstoß? Und dann wollten uns die Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz uns tatsächlich mit Papierkram beruhigen bzw. zumüllen. Ha - das ging nach hinten los, denn die Informationen über AIDS, Hepatitis etc. steigerten nicht gerade die Vorfreude auf die anstehende Tortur. Richtig fies wurde es dann nach dem Blutdruckmessen und der Hämoglobinwertbestimmung. Zu unserer linken die verlockenden Naschpakete (ein Grund, weshalb wir Blut spenden!), zur rechten monströse Apparate unterhalb von klapprigen Liegen. Ach, und ich muss euch mitteilen, das Herz rutscht einem Erstspender in die Hose, wenn ein gewisser Kay Schulz, soeben von einer der besagten Liege aufgestanden und um einen halben Liter Blut erleichtert, mit dumpfem Knall gegen eine andere Liege prallt, bevor er sich bewusstlos rücklings in die Arme zweier Ärzte gleiten lässt (Keep on falling, Kay!!). Doch viel Zeit zu weiteren Angstschweißausbrüchen blieb nicht. Unter einer Mischung aus militärischen Anweisungen und mitfühlendem Garfieldlächeln wurden uns letzte Instruktionen vor dem eigentlichen Akt gegeben. Rauf auf die Pritsche und eingestochen wurde die fette Nadel - AUTSCH! Und nun hörte ich natürlich auf meinen Körper...und...und..., wann würde mir wohl schlecht werden? Oder würde ich vielleicht sogar das Zeitliche segnen?! Okay, nach einigen Minuten löste ich den Krampf in meinen zugekniffenen Augen. Hey, ich war immer noch am Leben! Und so richtig schlimm spürte man die Kanüle auch nicht! Yippie! Die zum Engel mutierte Schwester zieht das Mordsteil endlich aus der Vene! Und jetzt zackig aufstehen. Uups - nee, so schnell geht das doch nicht; bei der kleinsten Bewegung überkommt mich eine Schummrigkeit à la -Sitting impossible-, so dass ich mich wieder lang ausstrecke und dankbar aus einem Glas Wasser schlürfe und nebenbei per Unterschrift die Verwendung meines Blutes für andere erlaube. Nach einigen Minuten (oder Stunden?!) heißt es dann: 'Naschpaket, ich komme!' und ich geselle mich, immer noch etwas unsicher auf den Beinen, zum Rest des 'Clubs der lebenden Spender' - Erkennungsmerkmal: ein riesiger, weißer Verband am linken oder rechten Arm. Punkt eins auf der Tagesordnung des Clubs war die Aufstellung einer Rangliste der am leckersten schmeckenden Süßigkeiten; übereinstimmend kamen wir zu dem Ergebnis, dass der erste Platz zweifellos an Amicelli verliehen werden musste. Cola trinkend und Schokolade verzehrend tauschten wir uns über die individuellen Erlebnisse und Befindlichkeiten während der Prozedur aus; letztendlich waren alle doch ein ganzes Stück weit stolz bei dem Gedanken, anderen Menschen geholfen oder vielleicht sogar ein Leben gerettet zu haben. Die Blutspende 2001 war vorbei und die meisten Spender, auch wir als Erstlinge, werden wohl beim nächsten Mal wieder mit von der Partie sein - und hoffentlich ganz viel neue Gesichter erblicken. Traut Euch, denn eine Blutabnahme verläuft am Humboldt-Gymnasium wesentlich harmloser, als die in der Legende von Dracula beschriebene...
Nicole Dathe & Martina Kenzler , 13. Klasse