Französischaustausch der Klasse 10 b nach Lille

begleitende Lehrer: Frau Hintze, Frau Gottfried

Es war doch noch etwas früh, als es am Donnerstag, den 14. März um 6 Uhr hieß: Auf nach Lille. So mancher von den Schülern der 10 b renkte sich beim Gähnen beinahe den Kiefer aus, um den Mund erschreckt wieder zuzuklappen, sobald eine Videokamera diesen Moment genüsslich für die Ewigkeit festhielt. Doch die Müdigkeit wich recht schnell, nachdem wir die Schule und Potsdam hinter uns gelassen hatten. Die mit einem leicht eigenartigen Humor ausgestatteten Busfahrer (man brauchte zwei für diese lange Strecke) und Filmen wie ,Pulp Fiction' wurde die Fahrgesellschaft aufgemuntert. Doch nach etwa elf Stunden Fahrt machte sich wieder Unbehagen im Bus breit. Erstens waren wir erschreckt über die heruntergekommenen Vororte der Industriestadt Lille, der drittgrößten Stadt Frankreichs, und so mancher stellte sich seinen Aufenthalt bereits in der zahlreichen, hässlichen Plattenbauten vor. Zweitens schienen jetzt einige ernsthafte Zweifel an ihren kommunikativen Fähigkeiten zu befallen und viele fürchteten sich vor zehn Tagen voller unverständlicher, ellenlanger, französischer Sätze. Schließlich erreichten wir das Montebello-Gymnasium, einen ehemaligen napoleonischen Krankenhausbau, der 1800 Schüler der seconde, première und terminale, die unser Sekundarstufe 2 entsprechen, aufnimmt. Nach der herzlichen Begrüßung (man kannte sich ja schließlich schon) ging es unter gemischten Gefühlen in die Gastfamilie. Nachdem am nächsten Morgen die ersten, durchaus unterschiedlichen Erlebnisse ausgetauscht worden waren und eine allgemeine Begrüßung durch die französische Deutschlehrerin Madame Veuillet stattgefunden hatte, hatten wir Unterricht. Dazu wurden wir in Zweier- bis Fünfergruppen auf die verschiedenen Klassen und Fächer verteilt. Zwei Stunden lang bemühten wir uns redlich, den Unterricht zu verstehen, kamen jedoch letztendlich nur mit einem Gefühl der Leere und der Erschöpfung in unseren Köpfen aus den Räumen, um in der Kantine ein üppiges, dreigängiges Mittag zu essen. Die angefutterten Kalorien konnten wir danach gleich wieder beim Schlittschuhlaufen abtrainieren. Das Wochenende gehörte den Familien. Jemand fuhr nach Paris, andere trafen sich in der Stadt oder fuhren an die belgische Atlantikküste. Am Montag folgte das übliche Kennenlern-Programm: ein Orientierungs- und Entdeckungsspiel, bei dem es galt, seinen Weg durch die Altstadt zu finden und Fragen zu Sehenswürdigkeiten zu beantworten. Das einzige Problem: Viele fanden diesen Weg nicht, suchten gar nicht erst oder gaben mittendrin auf, da das Wetter und die Wegbeschreibung miserabel waren. Die restlichen Tage waren angefüllt mit Besuchen von Museen, warten in der Schule oder Metrofahren. Der meisterwartete und sicherlich der erinnerungswürdigste Tag war die Fahrt am Donnerstag, dem 21. März, nach Paris. Obwohl das Wetter nicht wirklich mitspielte, war es doch ein wundervoller Tag. Als erstes (nachdem die Hälfte der Klasse vom Bus aus das Stade de France bewundert hatte) gab es eine zweisprachige Stadtrundfahrt, die uns mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (wie Louvre, Arc de Triomphe, ...) bekannt machen sollte und hauptsächlich von Stau geprägt war. Danach brachte uns der Bus an die verschiedenen Stationen in Paris, wo wir jedesmal ein wenig Zeit hatten uns umzusehen: anderthalb Stunden am Eiffelturm, zwei für Notre Dame, die umliegenden Viertel und den Louvre (genauer gesagt die Mona Lisa) und schließlich noch einmal anderthalb für la Butte de Montmartre und Sacré Coeur. Nun setzte uns der Dauerregen aber doch gehörig zu und die meisten waren froh, wieder nach Lille zurückzufahren. Nachdem auch die letzten ihre Sopuvenirs (meist Wein, Schokolade oder Bier) eingekauft hatten und am Freitagabend ein Abschiedsessen im Les Flam's stattgefunden hatte, hieß es am Samstagabend schließlich wieder Adieu, was einigen schwerer fiel, als sie es vorgestellt hatten. Doch bevor alle in den ersehnten Schlaf fielen, kamen wir einstimmig zu der Meinung: Wir hatten's uns schlimmer vorgestellt.

Katharina Schlegel

 
 
 
 
 
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