
Schüleraustausch mit der Lincoln High School in Sioux Falls
Zwei Wochen im Mittleren Westen der USA liegen hinter uns. Zwei Wochen, in denen wir nicht nur ein anderes Land kennengelernt haben, sondern vor allem neue Menschen, andere Lebensweisen und viele persönliche Eindrücke mitnehmen konnten. Der Austausch mit der Lincoln High School in Sioux Falls, South Dakota, war geprägt von Offenheit, ehrlicher Gastfreundschaft und Erfahrungen, die weit über den Schulalltag hinausgingen.
Die Anreise am 5. März war lang. Über London und Chicago ging es bis nach Sioux Falls, wo wir erst spät abends ankamen. Entsprechend intensiv war der erste Moment: eine neue Umgebung, unbekannte Gesichter und gleichzeitig ein überraschend herzlicher Empfang, der vieles sofort leichter gemacht hat.
ie Lincoln High School hat uns vor allem durch ihre Größe beeindruckt. Lange Flure, mehrere Gebäudeteile und weitläufige Sportanlagen prägen das Bild. Mehrere tausend Schülerinnen und Schüler gehen dort täglich ein und aus, und selbst Deutsch wird unterrichtet. Allein diese Dimensionen machen Schule dort zu einer ganz eigenen Erfahrung.
Neben dem Schulalltag konnten wir viel von Sioux Falls und der Umgebung kennenlernen. Bei der Stadtführung und dem Besuch beim Bürgermeister wurde deutlich, wie stark das Gemeinschaftsgefühl vor Ort ist und wie sehr sich die Menschen mit ihrer Stadt identifizieren.
Ein besonders eindrücklicher Programmpunkt war der Ausflug zu den Hutterern. Die Begegnung mit dieser religiösen Gemeinschaft hat vielen von uns vor Augen geführt, wie unterschiedlich Lebensweisen selbst innerhalb eines Landes sein können.
Auch die Reise durch South Dakota bleibt in Erinnerung. Die Badlands, Mount Rushmore und das Crazy Horse Memorial haben uns mit ihrer Weite und Präsenz beeindruckt. Die Landschaft wirkt dort fast grenzenlos und unterscheidet sich stark von dem, was wir aus Deutschland kennen.
Ein unerwartetes Highlight war der Besuch der Fire Station 1. Die Feuerwehrleute haben uns offen empfangen und uns sehr anschaulich durch ihren Arbeitsalltag geführt. Besonders spannend war der Versuch, selbst die komplette Ausrüstung möglichst schnell anzulegen. Dabei wurde deutlich, wie viel Übung und Konzentration hinter jeder Bewegung steckt.
Auch das Wetter hat diese Zeit geprägt. Innerhalb weniger Tage wechselte es von eisigen minus 18 Grad zu frühlingshaften 25 Grad. Dazwischen erlebten wir sogar einen kleinen Blizzard, für viele von uns eine völlig neue Erfahrung.
Am nachhaltigsten war jedoch die Zeit in den Gastfamilien. Wir wurden nicht einfach aufgenommen, sondern wirklich einbezogen. Gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge oder Gespräche am Abend haben uns einen direkten Einblick in den Alltag gegeben. Dabei entstand oft ganz nebenbei ein Verständnis füreinander, das kein Programm ersetzen kann. Die Offenheit und das Engagement der Familien haben diesen Austausch entscheidend geprägt.
Ein besonderer Teil des Programms war das sogenannte „Banquet“. Hinter dem Namen verbirgt sich eine von einer kirchlichen Organisation betriebene Suppenküche. Dort haben wir mitgeholfen, Essen auszugeben, Geschirr zu spülen und vor allem mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Viele von ihnen befinden sich in schwierigen Lebenssituationen. Gerade deshalb hatte dieser Abend eine besondere Bedeutung. Es ging darum, sich einzubringen und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Die Begegnungen waren direkt und ehrlich und haben bei vielen von uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Zum Abschluss unserer Reise verbrachten wir noch kurze Zeit in Chicago. Nach den ruhigen, weiten Landschaften South Dakotas wirkte die Stadt wie eine ganz andere Welt. Hohe Gebäude, viel Verkehr und das Leben rund um den Lake Michigan zeigten noch einmal eine völlig andere Seite der USA.
Gerade dieser Kontrast machte den Abschluss besonders eindrücklich. Innerhalb kurzer Zeit wurde deutlich, wie vielfältig dieses Land ist.
In einer Zeit, in der politische Spannungen und Missverständnisse zunehmen, sind persönliche Begegnungen wichtiger denn je. Direkter Austausch verändert Perspektiven. Unterschiede werden verständlicher und gleichzeitig rücken Gemeinsamkeiten stärker in den Vordergrund. Solche Erfahrungen lassen sich nicht ersetzen.
Dass dieser Austausch seit über 30 Jahren besteht, zeigt, wie wertvoll und beständig diese Partnerschaft ist. Das Humboldt-Gymnasium und die Lincoln High School verbindet inzwischen weit mehr als nur ein Programm.
Der Abschied in Sioux Falls fiel vielen schwer. Umso größer ist die Vorfreude auf den Gegenbesuch. Ende Mai werden die amerikanischen Schülerinnen und Schüler nach Potsdam kommen. Dann haben wir die Möglichkeit, etwas von der Gastfreundschaft zurückzugeben, die wir selbst erleben durften.
Christine Schulz



